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Heute haben Jana und ich uns endlich einmal eine Auszeit gegönnt. Leider haben wir beide im Moment so wenig Zeit, dass wir uns manchmal nur alle drei Wochen sehen. Ich merke auch, dass das viel zu selten ist. Irgendwie fehlen mir meine sozialen Kontakte im Moment doch sehr. Ich komme nachmittags oder manchmal erst abends von der Uni nachhause, dann muss ich Texte lesen, Referat vorbereiten oder sonst irgendetwas lernen, und an zwei Tagen in der Woche gehe ich arbeiten. Da bleibt kaum Zeit, vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass man seine freien Termine dann auch noch mit den Terminen der anderen abstimmen muss. Da muss sicher erst mal was überschneiden! Aber gestern haben gestern endlich hinbekommen, und ich habe gemerkt, wie wahnsinnig gut mir diese Entspannung getan hat. Deshalb habe ich auch überlegt, ob ich nicht versuchen sollte, eine Yoga Stunde in der Woche einzulegen.

Am Wochenende haben Patrick und ich etwas getan, was wir ewig nicht mehr gemacht haben. Wir sind nämlich zum See gefahren, und haben dort den ganzen Nachmittag verbracht. Auf einer Picknickdecke, mit ganz viel Essen und einem Volleyball. Es einfach wunderschön. Das ist wirklich paradox, wenn wir unseren normalen Alltag erleben, geht er mir manchmal sogar ein bisschen auf die Nerven, und sobald wir mal etwas gemeinsam unternehmen, wo wir die ganze Zeit nur auf uns fixiert sind, läuft es wieder viel besser. Man hat dann einfach neue Themen, über die man reden kann. Zum Beispiel haben wir am Samstag einfach angefangen, uns darüber zu unterhalten, wie es wäre, wenn wir mal ein gemeinsames Hobby einführen würden. Patrick ist sehr sportlich, und ich will hier auch endlich irgendeine Sportart Anfang. Wir haben schon ein Tennis oder so etwas gedacht. Leider hat nämlich Jana zurzeit keine freie Minute, um ernsthaft eine neue Sportart anzufangen.

Manchmal ist es doch komisch, da habe ich mir gerade vorgenommen, mit Patrick mal richtig kritisch unsere Beziehung zu beleuchten, und schon ist es so, als hätte er das geahnt. Auf einer gibt er sich totale Mühe, kommt früher nachhause, und bringt mir sogar Blumen mit! Ich meine, nicht dass ich so jemand bin, der so oft Blumen stehen würde, aber ich finde es doch eine sehr nette Geste. Es zeigt einfach, dass er sich Gedanken gemacht hat, und dass diese Gedanken sich nicht nur um seinen Job gedreht haben. Moment scheint es aber auch um sie besser zu laufen in der Firma. Ich habe es mir angewöhnt, da nicht weiter Nachzufragen, weil das sowieso so ein Reizthema bei uns ist. Immer, wenn ich versuche, ganz neutral zu fragen, wie es läuft, für die er sich direkt immer angegriffen. Aber gerade fühle ich mich wirklich so, als wäre wieder ein bisschen Romantik in unsere Beziehung zurückgekehrt.

Gott sei Dank habe ich wieder ein bisschen Ablenkung durch mein Studium. Da habe ich gar nicht mehr so viel Zeit, um über irgendetwas allzu viel nachzudenken. Trotzdem bin ich immer noch schwer genervt, weil ich Patrick Moment so selten sehr. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass ich mir das Ganze nur einrede, dass es mit ihm nicht besonders gut läuft, aber in Wirklichkeit sehen wir uns einfach nur zu selten. Obwohl, läuft das nicht aufs Gleiche hinaus? Ach, das ist einfach ein riesengroßer Mist alles! Man müsste einfach mal richtig viel Zeit haben, um ein paar Sachen gerade zu biegen, aber die gibt es nicht. Und so wird die ganze Spirale immer enger und eins führt zum nächsten. Das ist so dumm, man sieht es alles auf sich zukommen, und trotzdem kann man es nicht abwenden. Ich glaube, es ist an der Zeit, mit Patrick mal ein ernstes Wort zu reden. So kann es nicht weitergehen.


Mein Semester hat wieder angefangen, und eigentlich bin ich ganz froh drüber. Nicht, dass es besonderen Spaß daran hätte, wieder in die Vorlesung zu gehen, aber so habe ich wenigstens wieder irgendetwas zu tun. Für mich gibt es wirklich nichts Schlimmeres, als nur zuhause rum zu sitzen, und die Decke anzustarren. Erstens möchte ich auch später einen Job haben, in dem ich alles geben kann, und da will ich schon einmal üben, und zweitens tut es mir im Moment ganz einfach nicht so gut, alleine zu sein. Wenn man alleine ist, kommen die ganzen komischen Gedanken. Ich habe einfach ohne das Gefühl, dass mein Leben ein bisschen sinnlos an mir vorüber zieht. Ich weiß nicht, ob ich mich noch mit allem so wirklich wohl fühle, wie es gerade ist. Ich glaube, dass es bald mal wieder Zeit für etwas Neues sein könnte... wie auch immer das aussehen mag.

Jana hat sich wahnsinnig über die Party gefreut. Aber das habe ich mir sowieso schon gedacht, bei Jana definitiv nicht die Person es, die es nicht mag, im Mittelpunkt stehen. Sie ist auf keinen Fall arrogant, nicht, dass ihr sowas denkt. Aber sie hat ein gesundes Selbstbewusstsein, was ich auch sehr bewundere. Sie kann es sich aber wirklich leisten! Die Party bis früh morgens, bis irgendwann das Ordnungsamt vor der Tür stand. Ich würde also sagen, die Party ist gelungen! Nur das aufräumen war die absolute Hölle. Man stellt sich das immer so vor, dass man dann ein, zwei Mal nass durchmischt, aber damit war es definitiv nicht getan. Wie und wo Leute überall Dreck machen können! Das ist einfach der Wahnsinn. Ich möchte hier auch nicht näher darauf eingehen, weil ich es einfach nur ekelhaft fand. Patrick hat natürlich nichts Besseres zu tun, als zu meckern, dass nicht gut genug alles sauber gemacht hätte. Na, danke schön!

In letzter Zeit fällt es mir wirklich schwer, mit Patrick eine Balance in unserer Beziehung zu finden. Erst fassen ganzen Tag über arbeiten, werde ich zuhause sitzt und für meine Klausuren lernen. Wenn er nachhause kommt, ist er total gestresst, weil man natürlich am Anfang jeder Energie in sein neues Unternehmen stecken muss. Und dazu kommen die ganze Zeit die Sorgen, dass die Firma nicht richtig anläuft. Ich sage ihm zwar immer, dass so ein Unternehmen wirklich viele Monate, wenn nicht sogar Jahre braucht, um sich in der Finne zu etablieren und richtig erfolgreich zu werden, aber ich merke, dass er jetzt schon total nervös wird. Mein Freund ist wie ein riesiges Kind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich so eine Art allein erziehende Mutter bin! Mein Gott, wie schrecklich sich das anhört... Ich weiß aber wirklich nicht, ob ich mit dieser Ungewissheit auf Dauer leben kann.

Meine erste Klausur habe ich schon hinter mir, und es war eigentlich ganz o.k. Sabrina neben mir hätte fast einen Nervenzusammenbruch bekommen, als die Aufgaben gesehen hat, so habe ich ein bisschen geholfen. Ich hatte nie groß etwas mit den Leuten aus meinem Semester zu tun, weil ich mich immer bewusst ein wenig von ihnen distanziert habe. Ich finde, dass diese ganzen Streitereien, die aus Cliquen und diesen ganzen Zusammensetzungen entstehen, vom studieren ablenken. Ich bin ja schließlich da, und für den Rest meines Lebens etwas zu lernen, und nicht, um Freunde zu finden. Natürlich ist das ein netter Nebeneffekt, aber ich muss ihn nicht haben. Allerdings verstehe ich mich seit ein paar Monaten mit Sabrina wirklich richtig gut. Ich habe sie sogar schon einmal auf eine Party von meinen Freunden mitgebracht, und sie haben sich total gut mit ihr verstanden. Aber das war's dann auch schon mit meinen Kommilitonen.

Patrick hat es endlich eingesehen, dass es doch nicht reicht, mal eben eine kleine Finanzplanung selber aufzustellen und dabei die Hälfte aller Werte nur ungefähr zu schätzen. Ich habe ihn ja gleich gesagt, dass er da höchste Sorgfalt walten lassen muss, aber mein lieber stur Kopf von Freund wollte ja nicht auf mich hören. Jetzt muss er sich also teuer Hilfe von außen engagieren, aber ich glaube, dass dieses Geld wenigstens ganz gut investiert ist. Es geht eben nicht von einem vernünftigen Businessplan. Patrick ist ja sowas von blauäugig, obwohl er selber auch BWL studiert hat. Ich verstehe das einfach nicht, wie man so naiv an seine Sache herangehen kann, und sich dann gleichzeitig nicht helfen lassen will. Genau das macht mich so wütend. Ich sage auch glaube ich gar nichts mehr zu.

Jetzt sind erst mal Semesterferien, und endlich habe ich wenigstens ein bisschen Zeit, um durch zu schnaufen. Zumindest so lange, bis in zwei Wochen meine Klausuren anfangen. Aber irgendwie machen mir die Klausuren viel weniger aus als das Semester selber. Ich weiß zwar nicht, woran das liegt, aber ich kann total gut lernen. Die meisten Sachen muss ich mir nur ein einziges Mal durchlesen, und dann habe ich sie bis zur Klausur im Kopf. Natürlich auch nur genau bis zur Klausur, danach sind sie wieder aus meinem Kopf verschwunden… das ist ein bisschen wie mit Junk Food: es macht zwar kurzfristig satt, aber auf lange Zeit bringt es dem Körper eigentlich nicht. Man lernt auf kurze Gedächtnis macht mich zwar richtig, aber dafür auch nicht besonders kompetent. Ich glaube, ich werde nach dem Studium Jahre damit verbringen, mir den Stoff, den ich mal kurzzeitig im Kopf hatte, richtig anzueignen!

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